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Hier gibt es einige Anregungen, was ihr bei eurem nächsten Hallenbesuch mal ausprobieren könnt. Leider findet ihr hier nicht ganz so viele Erklärungen wie bei anderen Themen, da man Technik nun mal üben muss und nicht "erlesen" kann.

Klettertechniken:

Eindrehen

Wird einem gerne immer wieder von unten zugerufen, wenn man mal wieder ahnungslos in der Wand hängt. Das Eindrehen ist eine Klettertechnik, die hilft kraftsparender zu klettern. Fehlt die Kraft, ist es manchmal auch die einzige Technik die einen zum nächsten Griff führt. Eingesetzt wird sie, wenn der Abstand zum nächsten Griff recht lang ist, und man sich beim Frontalklettern nur in Bauch- oder gar Hüfthöhe am letzten Griff festhalten müßte. Das braucht sehr viel Kraft und ist an Überhängen manchmal nicht machbar. Einzige Möglichkeit ist dann oft der kurze Sprung zum nächsten Griff, oder aber, wesentlich eleganter, das Eindrehen. Dazu lehnt man sich seitlich, die Schulter des Armes der nach oben greifen will direkt zur Wand, die Füße so, dass ein herauspendeln verhindert wird. Der Körper "wickelt" sich so in den Arm am letzten Griff ein. Man muß diesen also nichtmehr mit Kraft anwinkeln, sondern hat auch am entspannten Arm halt. Gleichzeitig ist man mit der Schulter nah am Fels, hat also sogar noch etwas Reichweitenvorteil. Jetzt sollte man an den oberen Griff kommen und hat die Stelle gemeistert. Viel Spaß beim Üben!

Aus den Beinen heraus

Falls ihr einen Kletterkurs besucht, ist das sowieso das Erste, was euch gesagt wird! Auch wenn's teilweise Spaß macht, sich an den großen Henkeln empor zu hangeln, ist doch schnell die Kraft raus. Deshalb die Hände wenn möglich nur zur Stabilisierung nutzen und die Kraft nach oben immer aus den Beinen holen.

Schwerpunkt über's aktive Bein

Klingt ganz simpel und man möchte meinen "Das mach' ich sowieso schon so!" oder "Ja, wie denn sonst?". Aber dieser Tip hat zumindest uns fast eine ganze UIAA-Schwierigkeit weiter gebracht. Verschiebt euren Schwerpunkt (das ist der Einfachheit halber so ziemlich immer euer Ar...) vor jedem "Hochdrücken" direkt über den Fuß eures Standbeins, also das mit dem ihr "drücken" wollt. Versucht das bei jedem Tritt ganz bewusst anzuwenden. Plötzlich ist das andere Bein so unbelastet, das ihr es fast vom Tritt nehmen könnt (zum Beispiel kann man jetzt damit an der Wand stützen, um ein Rauspendeln zu unterdrücken). Außerdem könnt ihr euch fast ohne anderweitig Kraft aufzuwenden bis zum durchgestreckten Bein nach oben drücken. Mit der alten, intuitiven Methode (Schwerpunkt zwischen den 2 Standpunkten) würdet ihr entweder nicht so hoch kommen, oder aber zusätzlich viel Kraft aus einem der Arme benötigen (für den vielleicht gar kein ordentlicher Griff da ist).
Das mag alles sehr theoretisch klingen. Glaubt uns aber, dass das wirklich viel bringt! Unbedingt ausprobieren!

Trainingsmethoden:

Blind klettern

Versucht doch mal, eine Route blind zu klettern. Damit lernt man "mit den Fingern zu sehen" und konzentriert sich weniger auf die Grifffarben. Die gibt es ja später am Fels leider auch nicht. Auch nutzt man so viel mehr Wandstruktur (falls vorhanden). Das hilft besonders, wenn man Strukturelemente sonst ignoriert oder ihnen nicht traut.

Gaaaaanz langsam Klettern

Wenn man alle Bewegungen ganz langsam ausführt, merkt man viel deutlicher, was man eigentlich gerade mit seinem Körperschwerpunkt anstellt. Auch bekommt man ein Gefühl dafür, wie man Griffe richtig belastet, da man nicht schnell umgreifen kann. Man hat mehr Zeit, sich auf Gewichtsverlagerung und gleichmäßige Verteilung des Kraftaufwandes zu konzentrieren.

Einarmig klettern

Einarmiges Klettern funktioniert natürlich nicht mit jeder Route, aber es muss ja auch nicht gleich bis oben sein. Der Effekt ist derselbe wie beim langsamen Klettern. Diesmal merkt man aber nicht nur besser, wo der eigene Schwerpunkt liegt, man muss auch immer aktiv daran arbeiten, ihn dicht an der Wand zu halten. Hier geht es weniger darum, hastig den Griff zu wechseln, sondern viel eher fast ganz ohne Hände, nur mit Gleichgewicht und Beinkraft zu klettern. Wer das Ganze auch im Überhang schafft, hat auch gleich ein super Krafttraining, und sollte sich mal bei den Boulderern melden. ;-)

Keine Griffe

Sucht euch eine Anfängerroute mit positiver Neigung (also eine schräge Wand hoch) und vielen vielen Tritten, benutzt eure Hände aber nur, um euch an die Wand zu stützen, nehmt keine Griffe in die Hand. So arbeitet ihr viel bewusster mit eurem Schwerpunkt; den müsst ihr dann ja verlagern, weil ihr euch an keinen Griffen festhaltet. Versucht dabei mal das freigewordene Bein beim aufstehen hinter das Standbein zu kreuzen und dabei leicht gegen die Wand zu tippen: Das stabilisiert.

Kletterspiele

Kofferpacken

Jeder Mitspieler definiert einen weiteren Griff der zu kletternden Route. Der erste beginnt an 2 Griffen und 2 Tritten und definiert den naechsten Griff. Ziel ist es, sich die Route zu merken, sie klettern zu koennen und den Mitspielern dann mit einem weiteren Griff eine Herausforderung zu bieten. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, das man in der naechsten Runde ebenfalls noch diesen Griff erreichen und dann auchnoch genug Kraft fuer weitere haben muss. Dem eigenen Anspruch ist es ueberlassen, nur Griffe oder auch Tritte zu definieren.

Einer weniger

Ein Spieler definiert eine Anfangsroute oder waehlt eine vorhandene an der Wand aus. Nachdem er sie geklettert hat, bestimmt er einen Griff, der von nun an nicht mehr zur Route gehoert. Der naechste muss die Route nun ohne diesen klettern und anschliessend wieder einen Griff wegdefinieren. Bei schwierigen Routen reicht leider meist ein Griff um die Aufgabe unloesbar zu machen, also kann dann zB ein anderer Griff an der Wand, der nicht zur Route gehoert, benutzt werden. Spannend wird es dann, sobald keine 'unmarkierten' Griffe mehr uebrig sind. Wahlweise koennen wiederum Tritte mit einbezogen werden.
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Zuletzt geändert am 20.06.2007 00:37 Uhr